Freitag, 16. Januar 2009

Wie arabische Staaten Massaker an der eigenen Zivilbevölkerung verdrängen

Udo Ulfkotte

Weltweit gibt es in diesen Tagen immer mehr Demonstrationen, die sich mit Israel und dem israelischen Vorgehen im Gaza-Streifen befassen. Nun kann man für Israel oder auch für die Palästinenser sein. Man sollte allerdings ein Mindestmaß an historischen Kenntnissen haben, um nicht auf der Schleimspur der Kriegspropaganda auszurutschen. Wissen Sie, wie Jordanien, Syrien, Saudi-Arabien und die Türkei ihre eigenen Bevölkerungen behandelt haben, wenn diese geringste Anzeichen von Unruhepotential zeigten? Wir sprechen hier von jenen Ländern, die nun ein Ende des angeblichen israelischen »Völkermordes« an den Palästinensern fordern. Lesen Sie nachfolgend, was deutschsprachige Journalisten aufgrund fehlender historischer Kenntnissse bislang nicht berichten.

In Saudi-Arabien leben sunnitische und schiitische Muslime. Die schiitischen Muslime stellen in Saudi-Arabien eine Bevölkerungsminderheit dar und sind der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit zutiefst verhasst. Nachdem 1979 auf der gegenüberliegenden Seite des Golfes in Iran unter Chomeini eine schiitische Religionsdiktatur an die Macht kam, hatte man in der saudischen Hauptstadt Riad Angst davor, dass auch die saudischen Schiiten sich erheben könnten. Was also macht man in einem islamischen Land, wenn man in der eigenen Bevölkerung unter den Schiiten ein weithin sichtbares Zeichen setzen und rein theoretisch mögliche Unruhen schon im Keim ersticken möchte? Die Saudis trieben mehr als 1.000 Schiiten zusammen, verfrachteten sie mit Militär-Lastwagen in die Wüste und setzten sie dort - ohne Trinkwasser - aus. Nach drei Tagen waren die in der glühenden Hitze ihrem Schicksal überlassenen Zivilisten tot. Wanderdünen haben Sand über ihre Knochen geweht. Nur wenige westliche Journalisten haben über die Massaker an Schiiten in Saudi-Arabien je berichtet, die es in den 1980er- und 1990er-Jahren immer wieder gegeben hat. Nicht eine westliche Regierung hat je dagegen protestiert. Man hat es stillschweigend heruntergeschluckt. Und man hat auf das Vergesen gesetzt. Denn es waren ja keine Medien dabei, keine Fernsehkameras und keine Journalisten.

Längst vergessen ist auch, wie die Syrer sich gegenüber ihrer eigenen Bevölkerung verhalten. Anfang der 1980er-Jahre versuchte die islamische Muslimbruderschaft in Damaskus die Macht zu übernehmen. Ähnlich wie heute die Palästinenser in Israel überzog die Muslimbruderschaft Syrien mit punktuellen Anschlägen arabischer Guerrilleros. Die Taktik lautete, immer wieder mit Bomben an anderen Orten zuzuschlagen. Die Muslimbruderschaft hatte ihr Hauptquartier in der syrischen Stadt Hama. Und die dortige Bevölkerung bot ihr Schutz und Rückendeckung – so wie die Einwohner von Gaza die palästinensischen Hamas-Kämpfer geschützt haben. Was also haben die Syrer unternommen, um wieder Ruhe ins Land zu bringen?

Sie haben die Armee aufmarschieren lassen und ein Massaker angeordnet. Am 2. Februar 1982 tötete die syrische Armee zwischen 7.000 und 38.000 Zivilisten in Hama. Es gab keine westlichen Augenzeugen. Es gab keine Live-Berichterstattung der westlichen Fernsehsender. Es gab einfach nur ein Massaker. Rifaat al-Assad, der Bruder des syrischen Staatschefs Hafiz al-Assad, brüstete sich später öffentlich damit, seine Soldaten hätten 38.000 Zivilisten ermordet. Westliche Journalisten wie Robert Fisk, die die Überreste der Stadt Hama später besuchten, sprachen von 7.000 Toten. Niemand hat die Opfer je gezählt. Und niemand hat die Täter je zur Rechenschaft gezogen. Sicher ist nur, dass die syrischen Soldaten vor dem Massaker die Erlaubnis erhielten, alle jungen Frauen der Stadt zu vergewaltigen. Die Mädchen wurden im Hamam Alsadia zusammengetrieben, vergewaltigt und konnten von Glück sprechen, wenn ihnen nicht langsam die Kehle durchschnitten wurde und sie einen Gnadenschuss bekamen. So ging die syrische Regierung gegen die eigene Zivilbevölkerung vor, als diese mit Terroranschlägen politischen Forderungen Nachdruck verschaffen wollte. Die Muslimbruderschaft, Urheber der Terroranschläge in Syrien, sitzt heute übrigens im Berliner Bundeskanzleramt bei den Islam-Dialog-Konferenzen mit der Bundesregierung am Tisch. Und die syrische Regierung unterstützt heute die Ziele der Palästinenser. Im eigenen Land – in Syrien – aber hat man in einer vergleichbaren Situation ein für allemal im Blutrausch für Ruhe gesorgt.

Und auch Jordanien, das heute so öffentlichkeitswirksam die Palästinenser unterstützt und das israelische Vorgehen in Gaza kritisiert, hat der Welt im Jahre 1970 deutlich gezeigt, wie es mit aufmüpfigen Palästinensern im eigenen Land umgeht: im September des Jahres überzogen Palästinenser Jordanien mit bürgerkriegsähnlichen Unruhen. Viele der Kämpfer versteckten sich in einem Palästinenser-Flüchtlingslager nahe der jordanischen Hauptstadt Amman. König Hussein zögerte im September 1970 nicht lange und ließ das Flüchtlingslager mitsamt der Zivilisten bombardieren. Zwischen 3.000 und 5.000 Menschen kamen dabei im Bombenhagel ums Leben.

Alle arabischen Staaten, die in diesen Tagen das Vorgehen Israels im Gaza-Streifen kritisieren, unmenschlich und barbarisch nennen, haben in ähnlichen Situationen keine Skrupel gehabt, Massaker an der eigenen Zivilbevölkerung zu verüben. Sie haben allerdings in der Welt einen Verbündeten: das Vergessen und die Unkenntnis westlicher Journalisten, die heute ohne vorformulierte Presseerklärungen zur Berichterstattung weitgehend unfähig sind. Über die Massaker aber hat es nie Pressemitteilungen gegeben. Im Gegenteil: Man bestreitet sie. Man hat das in den arabischen Staaten nämlich von den Türken gelernt. Die bestreiten bis heute den Völkermord an mehr als einer Millionen christlichen und aramäischen Armeniern. Wahrscheinlich wird es ja bald schon als »rassistisch« gelten, wenn man arabischen und islamischen Staaten einen Spiegel vorhält. 

Das Leben von unschuldigen Menschen hat im islamischen Kulturkreis wohl einen anderen Stellenwert als in aufgeklärten westlichen Staaten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Schauen Sie sich nun ein Video eines Aufmarsches von Palästinensern aus Oslo/Norwegen aus den letzten Tagen an. Die Palästinenser treiben ihre eigenen Kinder,denen sie blutverschmierte Hemdchen angezogen haben, vor sich her.

Wenn die Kinder von Feuerwerkskörpern oder Tränengas der norwegischen Polizei getroffen werden, dann gibt es Bilder, die Palästinenser als unschuldige Opfer darstellen. Medien wollen solche Bilder. Und die Palästinenser wissen das. In Norwegen, wo es in den vergangenen Tagen in Oslo die gewalttätigsten Einwanderer-Aufmärsche der vergangenen Jahrzehnte gab, sind die Zeitungen nun voll von Berichten über jene Kinder, die den »Demonstranten« als menschliche Schutzschilde dienten.

Was will die Palästinenserorganisation Hamas, die in Palästina und auch in Europa Kinder als menschliche Schutzschilde benutzt,  eigentlich? Und was unterstützen jene, die in Europa an ihrer Seite aufmarschieren? Schauen Sie sich dieses Video mit aktuellen Aussagen von Hamas-Führern an. Hamas fordert darin in 2.55 Minuten unzensiert die Zerstörung der westlichen Welt, die Eroberung Europas, die Unterwerfung Europas unter den Islam. All jene, die nun an der Seite von Hamas-Sympathisanten durch Europa marschieren, sollten das wissen. Dann können sie frei entscheiden, auf welcher Seite sie stehen.

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